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Einträge, die Kinolog thematisieren.

Review-Rundumschlag #16.1

So, liebe Filmfreunde, die Sommerpause ist beendet – es kommen wieder Film-Reviews. Den Anfang machen zwei halbwegs alte Schinken, namentlich »Harry Potter und die Heiligtümer des Todes – Teil 2« und »Green Lantern«, und dann kämpfe ich mich zu den aktuellen Neustarts vor.1

Harry Potter und die Heiligtümer des Todes – Teil 2

Harry und ich hatten es nie leicht. Als Klassenkameraden, wobei das, wenn ich mich richtig erinnere, fast ausschließlich Klassenkameradinnen waren, die Bücher für sich entdeckten, interessierte ich mich für alles, nur eben nicht für schwächliche Zauberlehrlinge. Jahre später hatte sich das zugegebenermaßen kaum geändert, aber die damalige (und hey, bis dato aktuelle) bessere Hälfte bestand darauf, dass wir uns »Harry Potter und der Orden des Phönix« im nächstgelegenen Lichtspielhaus ansahen. Auch wenn ich dem ganzen Zauberzirkus zu diesem Zeitpunkt weiterhin nichts abgewinnen konnte, sah ich – eventuell durch die Begeisterung der besagten besseren Hälfte angefixt – doch ein gewisses Potential in den Abenteuern von Harry, Ron und Hermine.2 So gab ich mir schließlich auch die vorherigen Teile und angereichert durch das Buchwissen der Freundin war ich spätestens beim Halbblutprinz wirklich interessiert und nach dem ersten Heiligtümer des Todes tatsächlich Feuer und Flamme.

Man kann also sagen, ich habe mich auf das Finale gefreut. Schließlich habe ich in all den Reviews immer wieder das Fehlen eines standesgemäßen Showdowns bemängelt und den sah ich nun in »Harry Potter und die Heiligtümer des Todes – Teil 2« endlich, endlich auf mich zukommen. Und siehe da (Achtung, Mini-Spoiler!): Die Schlacht um Hogwards war tatsächlich genau so episch, wie ich sie mir in meinen kühnsten Zauberlehrlingsfantasien ausgemalt habe. Doch dann, das finale Finale, der ultimative Kampf zwischen Voldemort und Harry, ging ja mal gehörig daneben. Was für ein Scheiß: Da kämpft der Auserwählte gegen den mächtigsten und bösesten Zauberer aller Zeiten und, flutsch, das wars. Friede, Freude, Butterbier nach gefühlten dreißig Sekunden. Das ist ja so als würde das neueste Mitglied des Green Lantern Corps. die größte Bedrohung, der das Universum je ausgesetzt war, so mir nichts, dir nichts zur Strecke bringen! … Moment, das war ein anderer Film. Zurück zu Harry und dem miesesten Endkampf, der je auf Film gebannt wurde.

Okay, das ist vielleicht was hart, aber dafür ist der Rest ganz nett anzusehen. Denn abgesehen vom schwachen Ende ist der Film ein durchaus gelungener Abschied von einem (auch von mir) liebgewonnen Franchise. Und das Ende nach dem Ende fand ich auch irgendwie gut.

EMDb – Rating: 3/5

Green Lantern

Auch wenn ich in den letzten Jahren immer weniger Superheldencomics gelesen habe, bleibt ein Naturgesetz für mich alten DC-Fanboy natürlich unumstößlich: meine Superhelden-Nummer-Eins bleibt auf ewig Batman, die Nummer Zwei Green Lantern – erst danach kommen die Supermannen und -frauen von Marvel, Image & Co., sowie die restliche DC-Schickeria. Einer Green Lantern-Verfilmung fiebere ich also bereits seit Anbeginn der Zeit entgegen, wenngleich mir die Cheesiness des Stoffs ständig bewusst war. Doch DC und Warner brauchen verfilmte Superhelden, denn während Marvel einen Erfolg an den nächsten reiht, läuft im Hause DC lediglich der dunkle Ritter. Der zugegebenermaßen fast schon besser als alle Marvel-Filme zusammen, aber es müssen neue Filme, neue Actionfiguren, neue Comicleser her. Also trotzt man Aliens und Farblehre und steckt kurzerhand Ryan Reynolds ins grüne CGI-Kostüm. Die Space Opera kann beginnen!

Die Story von »Green Lantern« ist dabei hinlänglich bekannt: Der selbstsichere und von Selbstzweifeln geplagte (yes, I know) Hal Jordan erhält vom grünsten aller Green Lanterns, Abin Sur, einen grünen Power Ring samt Power Battery und nachdem er den Power Schwur geleistet hat, findet er sich auch schon auf Oa, dem Heimatplaneten der Guardians und dem Hauptquartier des Green Lantern Corps., wieder. Nach (leider viel zu) kurzem Training mit Kilowog erfährt er dort von Parallax, der größten Bedrohung der das Universum jemals ausgesetzt war. 60 Minuten später stellt eben dieser Parallax für unseren – höhö – Grünschnabel allerdings kein unlösbares Problem mehr dar und man bleibt ungläubig und erschlagen im Kinositz sitzen, sofern man denn auch nur den Hauch einer Ahnung hatte, wie das alles tatsächlich und besser hätte ablaufen können und müssen

Wenn man allerdings keine Ahnung hatte, so konnte ich es an meinen Freunden beobachten, ist »Green Lantern« durchaus okay. Halt so wie eine schlechtere Marvel-Verfilmung (aber immer noch besser als »Thor«). Dabei war beileibe nicht alles schlecht: Mark Strong, Hollywoods total überschätzter 08/15-Bösewicht, war als Sinestro ganz ansehnlich, Peter Sarsgaard, als Hector Hammond leider zum überflüssigen Nebendarsteller verkommen, war richtig gut und selbst Ryan Reynolds, mein rotes Tuch, war nicht so schlecht, wie es seine bisherige Karriere befürchten ließ. Selbst das CGI-Kostüm war – bis auf die Maske – in Ordnung und sogar vom Ring erzeugte Waffen usw. wirkten richtig cool.

Dennoch: Insgesamt war das zu wenig. »Green Lantern« sollte DCs »Iron Man« werden, das war fortwährend zu spüren. Jedoch ist Ryan Reynolds nicht mal annähernd so cool wie Robert Downey Jr. (wenngleich Hal Jordan es natürlich jederzeit mit Tony Stark aufnehmen kann), der ständige Wechsel zwischen den Welten funktioniert genau so gut wie bei »Thor« – nämlich gar nicht -, und bis zum Schluss weiß man nicht, was der Film eigentlich will: Eine Superhelden-Origin-Story sein? Von seinem größten Abenteuer erzählen? Einen auf »Space-Avatar« machen? Oder einfach nur Spielzeug verkaufen?

Ein bisschen mehr »Batman Begins«, sprich: von allem ein bisschen weniger, hätte dem ganzen mehr als gut getan.

EMDb – Rating: 2/5

  1. Viel wichtiger aber folgende Frage: Was mache ich mit all den Filmen von Januar bis Juni, die ich nicht rezensiert habe? Wäret ihr mit einem ultimativen Review-Rundumschlag der ersten Jahreshälfte einverstanden, in dem ich all die Filme mit nur einem Satz abhandele? Oder ist’s euch schlichtweg egal? (Geheimtipp: mir nicht.) []
  2. Die Heldenreise bleibt halt die Heldenreise bleibt halt die Heldenreise. []

Review: Transformers 3

Michael “Boom Boom” Bay, verschriener Großmeister des so genannten Popcorn-Kinos und Garant für volle Lichtspielhäuser, hat es wieder getan: er hat sich zum dritten Mal dem in den 80ern überaus beliebten Plastikspielzeug-Franchise »Transformers« angenommen. Dabei setzen er und Produzentenlegende Steven Spielberg getreu dem dieser Tage weit verbreiteten Hollywood-Motto “Mehr Geld ist mehr Geld” auf Dreidimensionalität – und das obwohl Bay vor noch nicht all zu langer Zeit überhaupt gar kein Fan dieser Technik war. Doch spätestens als die blonde Megan Fox, Rosie Huntington-Whiteley, in ihrer ersten Szene im knappen Slip eine Treppe emporsteigt, ist all das vergessen und Michael Bay liebt 3D so urplötzlich wie der pubertierende Jüngling den weiblichen Körper.

Und wir können den Dolbys, ILMs und Bay-Zurednern gar nicht genug dafür danken, dass es soweit gekommen ist! Denn hier wird nicht nur eine gigantische dreidimensionale Effekt- und Materialschlacht abgefeiert, nein, es ist auch das beeindruckendste 3D seit »Avatar« (und dessen Premiere liegt immerhin schon über anderthalb Jahre zurück). Im ewigen Wettstreit um die ansehnlichste Zerstörung der Welt liegt Bay jetzt wieder vorn; Roland Emmerichs »2012« wirkt da wie ein Kindergeburtstag. Das schöne dabei: Die dritte Dimension zwingt Bay und die Transformers-Reihe erstmals zu mehr Übersicht. Während man in den wackeligen Vorgängern schon mal gerne den Überblick darüber, wer, was und wenn ja wieviele da gerade explodieren, verloren hat, kann man sich hier tatsächlich mal zurücklehnen und das ganze Schauspiel in Ruhe – und je nach filmischen Abgebrühtheitsgrad eventuell sogar mit offenem Mund – beobachten.

Doch so bildgewaltig das alles ist, ein Michael Bay kommt nicht ohne seinen Preis. Sämtliche Beweggründe sämtlicher Figuren und allen voran der Ober-Transformers sind mehr als fragwürdig. Wenn man den Gedanken und Entscheidungen von Optimus, Megatron und Sentinel Prime lauscht, wundert man sich plötzlich so gar nicht mehr, warum Cybertron untergegangen ist. Und dass dann der ganze Erdball mitmacht, wenn die Decepticons die Macht an sich reißen, ist wohl notwendiges Handlungsübel. Nun gut, man kann nicht alles haben und solange man den ganzen Zirkus (USA! USA!) nicht hinterfragt, fährt man mit den Mond- und Tschernobyl-Verschwörungstheorien eigentlich ganz gut.

Die nicht-computeranimierte spielende Zunft ist gewohnt solides Beiwerk. Shia LaBeouf witwicky-isch wie eh und je, die Frau an seiner Seite nach wie vor belanglos, der restliche Haufen passt. Hervor stechen lediglich – und ich überlasse es euch, ob positiv oder negativ – John Malcovich, Frances McDormand und der Asiate aus Hangover, die ob ihres Over-Actings und ihrer Obskurität die diesmaligen Wtf-Posten besetzen. Im Vergleich zu den Vorgängern wurde Teil 3 Comic-Relief-technisch jedoch etwas entschärft. Gott sei Dank! Roboterhoden in Form von Abrissbirnen gehören der Vergangenheit an, und selbst der bisher überaus nervige John Turturro weiss diesmal sogar ab und an zu belustigen.

Dennoch: »Transformers 3« ist und bleibt ein auf Hochglanz polierter Wutanfall. Und Michael Bay ist und bleibt ein 13 jähriger Junge, der bei Syd Field die Filmschule geschwänzt hat und lieber einen zweieinhalb Stungen langen Showdown inszeniert. Was wiederum ein jeder, der selbst mal ein 13 jähriger Junge war, mehr als nachvollziehen kann. Oh ja.

EMDb – Rating: 3,5/5

“Was haben diese scheiß Leguane auf meinem Couchtisch verloren?”

Diese Woche habe ich Werner Herzogs »Bad Lieutenant« (und »Fluch der Karibik 4«) gesehen. »Bad Lieutenant« handelt von einem begnadeten Cop in Post-Katrina New Orleans, dessen Berufs- und Privatleben immer weiter aus den Fugen gerät, während er eigentlich nur versucht das Richtige zu tun. Nicolas Cage, den ich vor nicht allzu langer Zeit noch zum drittschlechtesten Schauspieler out there gewählt hätte (und habe), spielt hier einmal mehr hervorragend und Werner Herzog hat es geschafft, den Kontrollverlust, den Cages Figur erleidet, so eindringlich darzustellen wie nur möglich. Geradlinig ist »Bad Lieutenant« dennoch keineswegs: Der Film strotzt nur so vor bizarren WTF-Momenten – wovon ihr euch selbst mit folgendem, relativ spoilerfreien Clip aus der Mitte des Films überzeugen könnt. Jedenfalls: 4/5


(YouTube Direktleguane)

Ach, und zu »Fluch der Karibik 4« möchte ich eigentlich nicht viele Worte verlieren. Meine Mitkinogänger fanden ihn besser als die ersten beiden Sequels. Ich fand ihn zwar unterhaltsam, aber eher unspektakulär und viel zu lang. Trotz gewohnt gutem Depp, war das alles irgendwie nicht eines Cpt. Jack Sparrow würdig. Die Zeiten von Jerry Bruckheimer sind definitiv vorbei. Er sollte die Finger vom großen Kino lassen und CSI zu seinem Full-Time-Job machen. 2,5/5

Fantasy Filmfest Nights – Review-Rundumschlag

Am vorletzten Wochenende fanden in Köln die Fantasy Filmfest Nights statt. Und wie beim großen, sommerlichen Bruder heißt das, dass man endlich wieder ein paar Filme zu sehen bekam, die es hierzulande ansonsten eher selten bis gar nicht auf die große Leinwand schaffen. Und die Auswahl, die Rosebud da aufgefahren hat, konnte sich einmal mehr sehen lassen.

Wenn da nicht da Zeitproblem wäre1, weshalb ich nur drei der zehn Filme sehen konnte. Namentlich Takashi Miikes Samuraihatz »13 Assassins«, das spanische Funny Game »Kidnapped« von Miguel Ángel Vivas und schließlich Jerzy Skolimowskis »Essential Killing«, der bekanntlich “als erster Film der Geschichte der Venedig-Biennale auf ausdrücklichen Wunsch des Jury-Vorsitzenden Quentin Tarantino mit gleich zwei Hauptpreisen bedacht [wurde]“.2

13 Assassins

Auch wenn ich dem fernöstlichen Samurai-Kino ansonsten nicht allzu viel abgewinnen kann, Miikes »13 Assassins« hat’s mir angetan. Denn nachdem man sich durch das Dickicht an Figuren und Namen gekämpft hat, kann man dem Auftragsmord an Lord Naritsugu, dem sadistischen Sohn des ehemaligen und Bruder des jetzigen Shogun, durch die dreizehn Assassinen regelrecht entgegenfiebern. Denn während die erste Hälfte des Films eine Heist-Movie ähnliche Planungsphase umfasst, geht’s im zweiten Teil um’s Eingemachte: die Killer haben ein Dorf, durch das der vergewaltigende und mordende Lord reist, zum Hinterhalt umfunktioniert und nehmen nun seinen 200 Mann starken Wachtrupp auseinander. Herausgekommen ist ein langer Showdown, der im direkten Gegensatz zu der zuvor gesehenen Zelebration des Samurai-Ethos aus Hälfte Eins steht, und der es in sich hat. Auffällig ist dabei jedoch, dass zwischen all den Katana-Duellen, Explosionen und sterbenden Kriegern, der Humor nicht zu kurz kommt und das alles, trotz der teils dratischen Darstellung für Takashi Miike vergleichsweise harmlos daherkommt. Das tut dem Spaß, den man mit »13 Assassins« jedoch keinen Abbruch, sondern öffnet ihn eher auch für die Zuschauer, die diesem Genre sonst nicht so zugeneigt sind.

EMDb – Rating: 3/5

Kidnapped

Die Story von »Kidnapped« ist eigentlich wenig originell: eine wohlhabende, dreiköpfige Familie bezieht ein neues Haus und plant – dem Ausgehwunsch der Tochter zum Trotz – einen ersten gemeinsamen Abend im neuen Zuhause. Doch das Familienidyll wird urplötzlich zerstört als sich drei maskierte Männer gewaltsam Zugang ins neue Haus verschaffen und keinen Zweifel daran lassen, wie ernst es ihnen ist. Zusammen mit dem Vater macht sich einer der Schläger zur nächsten Bankfiliale auf und zwingt diesen dort das Maximum sämtlicher Kreditkarten der Familie abzuheben. Doch dass für Frau und Tochter zu diesem Zeitpunkt bereits ein blutiger Überlebenskampf im neuen Heim begonnen hat, erahnen weder das eingeschüchterte Familienoberhaupt, noch der brutale Kriminelle…

So weit, so alt. Diese Ausgangssituation verlangt weder Michael Haneke noch Eduard Zimmermann ein Lächeln ab. Was »Kidnapped« dennoch zu etwas besonderem macht, ist seine kompromisslose Nähe zu den Opfern. Man erschreckt, leidet und hofft mit den Eltern und ihrer 18 jährigen Tochter, wie es (Gott sei dank) nur selten der Fall ist – vor allem beim abgeklärten Fantasy Filmfest-Publikum. Hier herrscht keine Distanz mehr zwischen Kinosessel und Leinwandgeschehen, die anderthalb Stunden werden nicht nur für die Figuren zur Tortur. Doch gerade deswegen ist Miguel Ángel Vivas’ Film so sehenswert und von den gesehenen Filmen mein absolutes Highlight.

EMDb – Rating: 4/5

Essential Killing

Und dann war da noch »Essential Killing«, der vor allem dadurch bekannt wurde, dass sich, wie eingangs erwähnt, Quentin Tarantino während der Venedig-Biennale 2010 besonders für ihn einsetzte (»Essential Killing« gewann daraufhin entgegen der Regeln zwei Hauptpreise: den Spezialpreis der Jury und den Preis für den besten Hauptdarsteller). Natürlich sagt das erst einmal nicht allzu viel aus, aber wenn der von Fans und Feuilleton gleichsam verehrte Großmeister schon mal auf derartige Art und Weise seine Begeisterung für einen ansonsten international wenig bekannten Film zum Ausdruck bringt, steht Filmhausen schon mal kopf.

Und tatsächlich klingt Jerzy Skolimowskis Kriegsthriller zunächst mehr als vielversprechend: Ein arabischer Soldat tötet aus Angst selbst von diesen getötet zu werden in der Wüste drei US-Soldaten. Daraufhin wird er von der US-Armee gefangen genommen, gefoltert und nach Osteuropa deportiert. Als sein Gefangenentransport verunglückt, gelingt ihm überraschend die Flucht. Es beginnt eine Hetzjagd durch verschneite Wälder, die ungleicher nicht sein könnte: ein in Ketten gelegter Einzelner gegen zahlreiche mit Hunden und Hubschraubern ausgestattete US-Militärs…

Bis hierhin ist »Essential Killing« in der Tat sehr sehenswert, der wortlose Vincent Gallo überragend und das Setting fesselnd. Was dann aber passiert, trotzt allen Regeln des Drehbuchschreibens: Jerzy Skolimowski, der hier zusammen mit Ewa Piaskowska auch als Autor tätig war, nimmt vier bis fünf Gänge raus und lässt seinen bis dahin wirklich guten Film zu einem botschaftslosen Fest der Belanglosigkeit verkommen. Eine Essenz hat »Essential Killing« danach nicht mehr und selbst das Töten wirkt, wie mittlerweile jede Aktion des Protagonisten, wahlweise aufgesetzt bis schwachsinnig. Unglaublich, wieviel Potential hier verschenkt wurde.

EMDb – Rating: 1,5/5

  1. Das nicht-Fantasy-Filmfest-kompatible, soziale Umfeld hat halt wenig Verständnis dafür, dass man das ganze Wochenende im Kino verbringt und sich freiwillig einen überaus brutalen, fremdsprachigen Film nach dem anderen anguckt… []
  2. Fantasy Filmfest Nights 2011, Programmheft, S. 4. []

Review-Rundumschlag 14 ¼

Bevor ich zum großen Oscar- und Blockbuster-Kino (und schließlich meiner Oscar-Prognose!) komme, hier noch die letzten Review-Schnellschüsse. Diesmal mit dabei der Zugthriller »Unstoppable«, das Politmischmasch »Fair Game«, die Fantasyschmu »Narnia 3« und der Familienwitz »Meine Frau, unsere Kinder und ich«.

Unstoppable

Eigentlich klingt »Unstoppable – Außer Kontrolle« wie der lächerlichste Actionfilm aller Zeiten: Ein mit gefährlichen Chemikalien befüllter, unbemannter Güterzug macht sich selbstständig und rast übers amerikanische Schienennetz. Niemand kann ihn stoppen. Doch Gott sie dank gibt es da diesen alten, abgebrühten von Denzel Washington gespielten Lokführer und seinen jungen, tollkühnen, von Chris Pine gespielten Kollegen, die auf einem ebenso schwerfälligen Güterzug die Jagd auf die “tickende Zeitbombe” aufnehmen. Oh my, was habe ich Tränen beim Trailer gelacht! Nur um dann eines besseren belehrt zu werden: Altmeister Tony Scott beweist, dass er selbst aus dem zähsten Stoff eine action- und vor allem spannungsgeladene Achterbahnfahrt machen kann. Dass sich dabei dann auch ein paar Polizeiautos überschlagen, ist Ehrensache und wirkt tatsächlich weit weniger trashig als man sich das bei einem Actionfilm, dessen Grundkonstellation bereits durch die Erfindung der Schranke einiges an Potential einbüßt, vorstellt. Kurzum: Nichts weltbewegendes, dafür aber sehr, sehr grundsolide Actionkost.

EMDb – Rating: 3/5

Fair Game

Trotz geschickt gestreuter Fehlinformationen seitens der Werbung darf man sich nicht darüber hinweg täuschen lassen: »Fair Game«, “der neue Thriller von Die Bourne Identität-Regisseur Doug Liman”, ist eins dieser zutiefst US-amerikanischen Politdramen, für die sich hier hierzulande höchstens ein paar Politikstudenten und Verschwörungstheoretiker interessieren. Denn erzählt wird nicht weniger als eine tatsächliche so stattgefundene Verschwörung bei der CIA, in der plötzlich das Privatleben einer in Ungnade gefallenen Agentin öffentlich durchleuchtet wird. Perfekter Stoff für Hollywood also. Doch leider kommt »Fair Game«, obwohl handwerklich mehr als solide gemacht, einfach nicht richtig in Fahrt. Die absolut gähnende Langeweile bleibt uns zwar erspart, aber andere, ebenso actionlose Politdramen bieten da einfach mehr an Spannung und Mitgefühl.

EMDb – Rating: 1,0/5

Die Chroniken von Narnia – Die Reise auf der Morgenröte

»Die Reise auf der Morgenröte« ist die dritte Verfilmung von Clive Staples Lewis’ Narnia-Reihe. Doch nachdem zwei der vier Hauptdarsteller mittlerweile zu alt für die Märchenwelt geworden sind, begleiten wir diesmal nur noch die zwei leider sehr unsympathischen jüngeren Geschwister zurück nach Narnia. Doch als wären sie nicht unsympathisch genug, bekommen wir noch einen äußerst ätzenden Cousin oben drauf, der in die Geschichte des Fantasyfilms als Narnias Jar Jar Binks eingehen wird. Nun denn, worum geht’s? Scheißegal, denn Narina 3 ist nicht mehr als eine bloße Aneinanderreihung von scheinbar glücklichen Zufällen. “Was? Wir brauchen ein seit Jahrtausenden verschollenes Schwert? … Och, guck mal, da vorne liegt’s ja!” Dieses Nichtvorhandensein eines Handlungsbogens, geschweige denn eines alle drei Filme übergreifenden Handlungsbogen, hat bei den »Chroniken von Narnia« schließlich System, wird eine neue Fortsetzung von Disneys Gegenstück zu Warners Fantasy-Monopol (a.k.a. »Harry Potter«) doch nur dann gedreht, wenn der Vorgänger Erfolg an den Kinokassen hatte.

In »Die Reise auf der Morgenröte« wird dieses Improvisationserzählen zwar bis zur fast schon unterhaltsamen Absurdität perfektioniert, dass das aber irgendjemand ohne filmisch-masochistische Ader wirklich gut findet, wage ich jedoch stark zu bezweifeln. (Doch, oh je, man hört bereits von einem vierten Film mit diesem Jar Jar Binks-Verschnitt als Titelhelden…)

EMDb – Rating: 1,5/5

Meine Frau, unsere Kinder und ich

»Meine Frau, unsere Kinder und ich« [hier Kommentar über die wahnwitzige deutsche Betitelung einsetzen] ist der dritte Teil der Focker-Trilogie und wie bei den Vorgängern liegt das Thema auch hier auf dem schwierigen Verhältnis zwischen Greg Focker (Ben Stiller) und seinem Schwiegervater Jack Byrnes (Robert De Niro). Und wie schon bei seinen Vorgängern ist die Story mehr als belanglos und austauschbar. So habe ich beispielsweise alle drei gesehen, deren Handlung jedoch wiederzugeben, geschweige denn einem Film zuzuordnen, bin ich nicht im Stande. Doch das muss nichts schlechtes sein, denn Greg und Jack sind und waren seit eh und je die tragenden Elemente des Focker-Universums. Steck die beiden in ein Bällebad und der gemeine Zuschauer hat Spaß. Ich bin da keine Ausnahme. Und wenn’s ewig so weiter geht, weil die Herren Stiller und De Niro das Geld brauchen, soll es wohl einfach so sein. Ich wehre mich nicht.

EMDb – Rating: 2,5/5

Review-Rundumschlag #13 ¾

Die vorletzte Aufholrunde, dann bin ich wieder up-to-date. Diesmal mit Rodriguez’ Ein-Mann-Armee »Machete«, dem inoffiziellen »Hangover«-Sequel »Stichtag«, der von jedermann außer mir gelobten High School-Komödie »Einfach zu haben« und dem Anfang vom Ende »Harry Potter und die Heiligtümer des Todes – Teil 1«.

Machete

Drei Jahre nach »Grindhouse«, dem einzigartigen Double-Feature von Quentin Tarantino (»Death Proof«) und Robert Rodriguez (»Planet Terror«), war es also soweit: Fanliebling Machete hat’s von einem genialen Fake-Trailer zu einem eigenen Film gebracht. In anderthalb Stunden wird die Story des mexikanischen Ex-Polizisten erzählt, der sich an dem Drogenkartell rächen will, das ihm zuvor seine Familie genommen hat, und dabei unweigerlich zwischen die Fronten eines Kleinkriegs zwischen illegalen Einwanderern und einer rechtsradikalen Bürgerwehr gerät. Standesgemäß geht es dabei heiß her: im Sekundentakt werden Leute erschossen und skalpiert, ihre Innereien genutzt, um sich aus Fenstern zu schwingen und Priester ans Kreuz geschlagen. Verziert wird das alles mit leicht bekleideten Nebendarstellerinnen, so dass kein Zweifel daran bleibt, welche Art von Film Rodriguez sich hier zum Vorbild genommen hat.

Wie schon die beiden »Grindhouse«-Filme ist es eine Hommage an die B-Movies und Exploitation-Spektakel vergangener Tage und eine Weiterentwicklung von Rodriguez’ konsequenter Revitalisierung des Italo-Westerns. Und obwohl Rodriguez hier einmal mehr kein visuelles Blatt vor den Mund nimmt, ist »Machete« doch viel mehr: Ein geradezu satirischer Einblick in das Leben an der Grenze zwischen USA und Mexiko, wo verarmte Mexikaner unter menschenunwürdigen Zuständen auf ein besseres Leben hoffen und verblödete Rednecks um ihren Wohlstand bangen.

Zwar gibt es (wie so oft bei Rodriguez) auch einige Längen, aber der restliche Film und vor allem die grandiose Besetzung (Danny Trejo ist Machete, Steven Seagal als Drogenbaron, Robert De Niro als extremistisch-konservativer Politiker und Freizeit-Immigranten-Jäger…) lassen das recht schnell vergessen. Hoffen wir also auf ein Wiedersehen mit unserem neuen alten Lieblingsbadass!

EMDb – Rating: 4/5

Stichtag

»Stichtag« wurde von offizieller Seite als inoffizieller Nachfolger zu »Hangover« beworben, war dann allerdings doch etwas ganz anderes. Zwar saß Todd Phillips, der Mann hinter so berühmt-berüchtigten Alkoholkomödien wie »Road Trip« & »Old School«, erneut auf dem Regiestuhl und der kongeniale Zach Galifianakis war, wie schon bei »Hangover«, für die WTF-Momente zuständig – unter dem Strich war das 95 minütige Pseudo-Sequel aber eher verstörend. Nicht, dass »Stichtag« nicht amüsant wäre; es gibt schon genügend Lacher. Doch während wir bei »Hangover« einen Haufen Betrunkener beim enträtseln ihrer Rauscheskapaden sehen, setzt uns »Stichtag« zwei zutiefst tragische Figuren vor: den gestressten Geschäftsmann, dessen einzige Emotion darin liegt, genervt zu sein, wenn’s nicht nach seiner Nase geht (Robert Downey Jr.), und den bemitleidenswerten, aber liebenswerteren Irren, der sich für die unentdeckte Schauspieler-Offenbarung und »Two and a half men« für den Stein der Weisen hält (Zach Galifianakis). Klar, dass das einige komische Momente birgt, wenn man diese beiden Gestalten aufeinander loslässt, doch die Leichtigkeit eines Las Vegas-Trips hat der Roadtrip von Downey Jr. und Galifianakis zu keiner Zeit.

… was auch okay so ist. Schließlich wissen auch Phillips & Co. um das tragische Element des Films und räumen diesem genügend Platz ein. So ist »Stichtag« zwar nicht das, was die Werbung uns versprochen hat, aber dennoch ein unterhaltsames, nettes und teils nachdenklich stimmendes Road-/Buddy-Movie-Mischmasch – besetzt mit einem Duo, bei dem die Chemie einfach stimmt, und das man hoffentlich noch öfters zusammen sieht. Wenn man allerdings wissen will, wie Tragikomödie richtig geht, muss man woanders hingucken.

EMDb – Rating: 2,5/5

Einfach zu haben

Und dann war da noch »Einfach zu haben« (»Easy A«), eine High School-Geschichte, in der ein Mädel behauptet mit irgendwelchen Typen in die Kiste zu springen, um diesen einen Gefallen zu tun (weil sie aufgrund ihrer Homosexualität gemobbt werden o.ä.). Schließlich rächt sich ihr verruchter Ruf und bla bla blub … Verzeiht, aber die Story ist Esspapier dünn und baut auf diesem konservativen, US-amerikanischen Mythos der Jungfräulichkeit auf, der jenseits von Hollywood als total überholt gilt und eigentlich keinen Europäer mehr hinter dem Ofen hervorlockt. Die Witze sind meistens Stangenware und die wenigen guten Sachen der wirklich lustigen, weil überaus verständnisvollen Familie der Hauptfigur vorbehalten. Ansonsten bleibt da nicht viel, außer natürlich der Hauptdarstellerin selbst. Das ist nämlich eine hier glücklicherweise noch rothaarige Emma Stone, die kratzbürstig wie eh und je, die ihr auf den Leib geschneiderte Rolle der alternativen Schönen mit Köpfchen spielt. Ansonsten ist da, wie gesagt, nicht viel.

EMDb – Rating: 1/5

Harry Potter und die Heiligtümer des Todes – Teil 1

2007 konnte mich meine erste Begegnung mit Harry Potter so gar nicht überzeugen. 2009 sah das nach Sichtung der vorhergehenden Teile anders aus und ich kam trotz einiger Schwächen zu dem Ergebnis, dass der Halbblutprinz der bisher beste Potter sei, an dem sich die zwei Heiligtümer des Todes erstmal werden messen müssen. Da wären wir nun, beim ersten Teil von »Harry Potter und die Heiligtümer des Todes« und einmal mehr sehe ich, dass sich die Geschichte um den auserwählten Zauberlehrling in die richtige Richtung entwickelt und vor allem schon entwickelt hat. So hat das hier glücklicherweise rein gar nichts mehr mit dem Kindergeburtstag zu tun, den Chris Columbus Anfang des Jahrtausends noch gefeiert hat, denn die Filme wurden zunehmends dunkler, die Figuren komplexer. Um dann schließlich da anzukommen wo wir heute sind: Bei der Hetzjagd des unterwanderten Zaubereiministeriums auf jeden, der sich der Rückkehr von Voldemort in den Weg stellten könnte. Dabei bedient man sich gekonnt der Ästhetik der deutschen Nazipropaganda und verleiht dem Fantasy-Spektakel so eine neue Tiefe und den Geschehnissen einen fiesen Beigeschmack (und das freilich ohne die reale Geschichte zu verharmlosen).

Doch nichtsdestotrotz sehen wir hier einige komödiantisch großartige Szenen, zum Beispiel wenn Harry & Co. in andere Körper schlüfen, und bekommen ganz beiläufig eine der besten und stilisiertesten Animationsszenen des ganzen Kinojahres zu sehen. Hinzu kommt, dass sämtliche Jungschauspieler hier ihre bisher beste Potter-Leistung abgeben – wenngleich Daniel Radcliffe weiterhin das schwächste Glied der Kette ist -, so dass mir einmal mehr nur zu sagen bleibt, dass es sich bei »Heiligtümer des Todes – Teil 1« um den neuen, besten aller Potter-Teile handelt. Man darf also auf Teil 2 respektive Teil 8 gespannt sein. Und vielleicht erfahren wir dann, warum der Tod einer popeligen Nebenfigur größer zelebriert wird als der von Dumbledore.

EMDb – Rating: 3,5/5

Review-Rundumschlag #12 ½

Der erste Vorsatz ist gebrochen: Auch 2011 wieder mit gehöriger Verspätung, dafür aber umso bunter (»Ich – Einfach unverbesserlich«, »Die etwas anderen Cops« und das Spaßblutbad der Saison »Piranha 3D«) und passend zu eurer DVD-Einkaufsliste!

Ich – Einfach unverbesserlich

Nach Pixars »Toy Story 3«, dem erfolgreichsten Animationsfilm aller Zeiten, und Dreamworks’ »Drachenzähmen leicht gemacht«, den wohl nicht nur ich mehr als gelungen finde, ist Universal Pictures’ »Ich – Einfach unverbesserlich« der dritte ganz große Animationsfilmwurf von 2010. Dabei ist die Prämisse für das Mainstream-Kino eher ungewöhnlich: Anstatt einen wie auch immer gearteten Helden zu begleiten, erleben wir »Despicable Me«, wie der Film im Original heißt, aus der Perspektive eines Superschurken. Dieser hört auf den Namen Gru – im Deutschen hervorragend gesprochen von Oliver Rohrbeck, der den meisten als Stimme von Ben Stiller bekannt sein dürfte – und bereitet gerade seinen größten Coup vor: den Mond stehlen. Schlecht jedoch, dass sich der passende Schrumpf- strahler zur Zeit ausgerechnet im Besitz seines Konkurrenten Vector befindet. Doch um diesen auszutricksen sind Gru alle Mittel recht, so dass er kurzerhand drei kleine bis halbgroße Waisenmädchen adoptiert, die sein Leben dann jedoch Stück für Stück auf den Kopf stellen…

Das ganze ist unglaublich sympathisch und sehr, sehr witzig. Persönlich gab es für mich zwar keine “laugh out loud”-Momente, aber doch, die Metamorphose des Gru hat mir schon sehr gut gefallen. Größter Wermutstropfen ist leider Jan Delays wirklich unterirdische Synchronisation von Vector, aber in Anbetracht der Minions (kleine, gelbe und vor allem einfach gestrickte Helferlein unseres Superschurken) und vieler weiterer genialer Gags lässt sich über diese und andere kleine Schwächen großzügig und gerne hinwegsehen.

EMDb – Rating: 3,5/5

Die etwas anderen Cops

»Die etwas anderen Cops« (»The Other Guys«) ist Regisseur Adam McKays neumodische Version eines klassischen Polizisten-/Buddyfilms wie bspw. »Leathal Weapon«. McKay, der uns zuletzt mit Sachen wie »Ricky Bobby«, »Stiefbrüder« und natürlich »The Landlord« (wer’s tatsächlich noch nicht kennt: unbedingt ansehen!) zu unterhalten wusste, tut es nun also Buddyfilm-Koryphäe Kevin Smith gleich, der sich mit seinem letzten Film »Cop Out« in gleiche Gewässer wagte. Doch während Smith seine Hommage an die 80er-Jahre-Filme in der Realwelt ansiedelt, kommt es bei McKays, aus Will Ferrell und Mark Wahlberg bestehendem Polizistenpaar schon mal zu – zumindest für diese beiden Helden – übernatürlichen Situationen. Das stört nicht weiter und hält ob seiner Skurrilität die ein oder andere Überraschung und vor allem ein Lacher parat.

Vom Stil her fühlte ich mich etwas an den Kifferfilmklassiker »Ananas Express« erinnert und wie schon bei dem wurde ich köstlich unterhalten. Allerdings – und hier mache ich mich vor Hobby- wie Berufskritikern zum Affen – gefiel mir Smiths »Cop Out« ein bisschen besser (ja, ich fand den tatsächlich gut).

EMDb – Rating: 2,5/5

Piranha 3D

Als Freund des mitunter mehr als trashigen Horrorfilms vergangener Tage fieberte natürlich auch ich Alexandre Ajas »Piranha 3D«, dem Remake von Joe Dantes legendärem Fischhorror »Piranha« von 1978, entgegen. Und wie so oft, wenn man sich an einen Klassiker wagt, hätte so viel schief gehen können. Nicht so jedoch hier, denn Aja & Co. verlegen die fleischfressenden Urzeitfische gekonnt von einem für heutige Verhältnisse viel zu ruhigen Sommercamp am See an den wassernahen Sündenpfuhl schlechthin: einen See während des Spring Break. Nachdem schnellstmöglich in den ersten Minuten Setting und Figuren vorgestellt werden – und in diesem Genre ist schneller umso besser – beginnt also die aus Silikonbrüsten und Motorbootmotoren bestehende Materialschlacht. Und die hat es in sich (ist also nichts für Zartbesaitete), wenngleich sie nie die abgewrackten Ausmaße von »Saw« und Konsorten annimmt, was vor allem der gehörigen Prise Humor zu verdanken ist, die das alles nicht nur aushaltbar sondern regelrecht unterhaltsam macht. Dass ein Großteil der Handlung dann abseits des Spring Break-Blutbads auf einer Yacht spielt, auf der gerade ein Porno produziert werden soll, überrascht dann auch nicht weiter und unterstreicht die generelle und für eine Hollywood-Produktion und ergo auch das hiesige Mainstream-Kino mehr als ungewohnte, aber, klar, gern gesehene Freizügigkeit des Films.

Alexandre Aja ist es mit »Piranha 3D« glücklicherweise also wirklich gelungen den klassischen Tierhorrorfilm wiederzubeleben und – besser noch – ihn zu modernisieren und mit eigenen Akzenten anzureichern. Der Film ist nicht nur blutig, brutal und actionreich, sondern auch und vor allem überaus lustig. Und ohne zu viel zu verraten: Das Ende deutet eine Fortsetzung an und ich wäre genau wie mein Sitznachbar jederzeit sofort dabei, denn die Piranhas waren ein wahrlich großer Spaß.

EMDb – Rating: 4/5

R.E.D. – Retired Extremely Dull

Warren Ellis ist einer der ganz großen Autoren im Comic-Business. Sobald man “Transmetropolitan” sagt, erstarren gewöhnlich alle vor Ehrfurcht. Im Normalfall kann man also nicht viel verkehrt machen, wenn man im Comicladen blindlings eins der Hefte greift, auf dem sein Name prangt.

Daher griff auch ich blindlings zu Ellis’ ursprünglich 2003 und 2004 veröffentlichter Comicminiserie RED, die Panini rechtzeitig zum Start der gleichnamigen Verfilmung in die hiesigen Läden brachte. Die Story ist schnell erzählt: Die CIA bekommt einen neuen Chef und standesgemäß wird dieser zuerst in die dunkelsten Geheimnisse der Behörde eingewiesen. Was er dabei über Ex-CIA-Agent Paul Moses erfährt ist eindeutig zu viel. Moses hat für sein Land die schlimmsten aller schlimmen Gräueltaten begangen und soll nun, so der neue Boss, aus dem Verkehr gezogen werden, damit diese Geheimnisse niemals an die Öffentlichkeit gelangen. Doch hat er die Rechnung ohne den gealterten Killer gemacht, der das auf ihn angesetzte Tötungskommando kurz und schmerzvoll erledigt und sich nun auf den Weg nach Langley macht…

Das klingt eigentlich recht solide, ist es aber nicht. Tötungsmaschine Moses ist weniger als eindimensional, seine Motivation liegt lediglich darin, dass das in einem Comic ganz gut kommen könnte. Auch dieses Review hat, wie Kollege Marco schon bei seinem Review feststellt, bereits mehr Worte als der ganze Comic, sprich: die 84 Seiten hat man in einer Pinkelpause durch und selbst zum Schluss gibt’s kein “Aha!”-Erlebnis, sondern nur den finsteren Gedanken, dass man dafür 12,95 Euro hingelegt hat. Okay, die Choreographie, die Zeichner Cully Hamner hier abliefert, ist ganz ordentlich, konnte RED für mich aber auch nicht mehr retten.

Wieso also sollte man sich die gleichnamige Verfilmung überhaupt ansehen? Zum einen weil der Trailer Lust auf mehr macht (“Alter Mann am Arsch!”), zum anderen weil diese Adaption fast gar nichts mit dem Originalmaterial zu tun hat. Denn lediglich die Grundidee ist gleich. Der von Willis gespielte Moses soll hier, genau wie der Rest seines ehemaligen Teams (!), erledigt werden. Zu dem hinzugefügten, aus Morgan Freeman, John Malkovich und Helen Mirren bestehenden Agententeam, gesellen sich im Film Moses’ Liebschaft, jede Menge Witz und eine ausgewachsene Verschwörung.

Es stellt sich also die Frage, warum man hier überhaupt die Comic-Lizenz eingekauft hat, anstatt sein eigenes Ding zu machen. Denn alles, was hier zu sehen ist, ist besser als im Print-Pendant. Besonders der im Comic gänzlich abhandene Humor, sorgt hier für gute, leicht überdurchschnittliche Unterhaltung, so dass man sich wünschen würde, ein weiteres Mal in die Welt von Paul Moses und vor allem dem von Malkovich paranoid-genial dargestellten Marvin zurückzukehren.

EMDb – Rating: 3/5

PS: Und jetzt wisst ihr auch, dass sich die Headline natürlich auf’s Comic bezieht.

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