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Review: John Carter – Zwischen zwei Welten

Bevor ich »John Carter« im Kino sah, hatte ich keine Ahnung von der Materie. Nur vom Hickhack, das um die Verfilmung gemacht wurde, hatte ich dann und wann etwas mitbekommen.

Erstmals sollte Edgar Rice Burroughs Romanserie um John Carter, die in ihrer ursprünglichen Magazinform zwischen 1912 und 1943 erschien, nämlich bereits in den 1930er Jahren von MGM als Animationsfilm verfilmt werden. Doch nach weniger erfolgreichen Testscreenings verlor MGM Vertrauen in eine SciFi-Produktion – woraufhin Universal mit dem Flash Gordon Serial ironischerweise große Erfolge feierte. In den 80ern kaufte Disney dann die Rechte, um einen Konkurrenten zu Conan und Star Wars aufzubauen. Tom Cruise wurde als Hauptrolle gehandelt. Doch nachdem die Rechte wegen Disneys Nichtstun zurück an Borroughs Erben gingen, ging der Irrsinn weiter: Nach Lektüre der Biografie von Filmgeek Harry Knowles (von Ain’t It Cool News) wollte sich Paramount-Produzent James Jacks (»Die Mumie«) John Carter annehmen. Aus einem Bidding war1 mit Columbia um die Rechte ging Paramount schließlich als Sieger hervor und kann 2004 sogar Robert Rodriguez als Regisseur gewinnen. Dieser tritt jedoch wegen Ärger mit der Directors Guild of America aus selbiger aus und da Paramount nur DGA-Regisseure beschäftigen darf, lag das Projekt erstmal auf Eis. 2005 sollte dann Jon Favreau übernehmen, bestand aber darauf, weniger auf CGI als vielmehr auf klassische Effekte und Makeup zu setzen. 2006 wurde es Paramount dann doch zu bunt, man gibt »Star Trek« den Vorzug, und Favreau zieht weiter zu »Iron Man«, womit ihm dann der große Durchbruch gelingt.

2007 ersteht Disney schließlich erneut die Rechte und leiht sich aus der hauseigenen Gelddruckerei2 den »Findet Nemo«- und »Wall-E«-Regisseur Andrew Stanton aus, um John Carter vom Mars endlich, endlich auf die Leinwand zu bannen. Stanton bekommt daraufhin eine Viertel Milliarde Dollar an die Hand und schickt den amerikanischen Bürgerkriegsveteranen John Carter (gespielt von Taylor Kitsch), der eigentlich nur eine Höhle voller Gold sucht und sich ansonsten aus allem heraushalten will, auf den Mars. Während Carter versucht zu verstehen, an welch merkwürdigem, von Menschen- und Marsmännchen-ähnlichen Völkern bewohnten Ort er sich da eigentlich befindet, passiert es dann doch wieder: Der mürrische Carter gerät zwischen die Fronten. Klar, dass er sich auf die Seite des Volkes mit der hübschesten (und menschlichsten) Prinzessin schlägt und 132 Minuten später der gefeierte und nicht mehr ganz so mürrische Marsheld ist.3 In der Zwischenzeit wird uns der Konflikt von “Barsoom”, so wird der Mars von den Marsianern genannt, näher gebracht, der den Planeten langsam aber sicher sterben lässt. Wir erfahren, dass dunkle Mächte für diese Entwicklungen verantwortlich sind und lernen immer mal wieder ein paar CGI-Figuren und -Monster kennen, die immerhin mehr Na’vi und weniger Gungans sind. Hinzu kommen Steampunk-ähnliche Flugschiffe, über die John Carter genauso verblüfft ist, wie die Prinzessin vom Mars über irdische Schiffe, die sich auf dem Wasser fortbewegen. Eine interessante, zu Beginn überaus amüsante und schlussendlich grandiose Rahmenhandlung erklärt, warum und wie Carter von der Erde nach Barsoom kam.

Aus all dem kreieren Stanton & Co. eine glaubhafte Welt mit liebenswerten CGI- und Nicht-CGI-Figuren, einem charismatischen Helden und einer ausreichend spannenden Story. Der einzige große Kritikpunkt, der eigentlich gar keiner ist: All das hat man schon mal irgendwo anders gesehen. Auf Tatooine, auf Pandora, auf Arrakis und irgendwo dazwischen. Kein Wunder: Burroughs Barsoom-Serie hat so ziemlich alle fantastischen Science-Fiction-Werke, die wir kennen und lieben beeinflusst. James Cameron verriet, dass er sich bei den Tharks für die Na´vi hat inspirieren lassen. Frank Herbert ist es so ergangen, ebenso wie George Lucas. Man kann den Einfluss von Burroughs Schundromanen auf die Macher unserer heutigen Popkultur eigentlich nicht zu hoch einschätzen. Die Konsequenz: Die Arena in »John Carter» sieht der Arena in »Episode II« sieht der Arena in Burroughs Büchern sehr ähnlich. »John Carter« nun vorzuwerfen, er wäre ein billiger Abklatsch, ist also mehr als unberechtigt. Schließlich funktioniert das alles auf Barsoom, im Film.

Wenn man jetzt noch davon absieht, dass Carters Entwicklung zwischenzeitlich etwas zu schnell abläuft, der Soundtrack zwar solide aber beim Verlassen des Kino sofort vergessen ist und man mit Mark Strong auf Hollywoods Bösewichtfertiggericht gesetzt hat, muss ich sagen, dass ich überraschenderweise überaus begeistert war. George Lucas hat im Rahmen seiner Promotiontour zu »Red Tails« gesagt, dass der WW2-Fliegerfilm “as close as you’ll ever get to Episode 7” wäre. Ich würde sogar soweit gehen – auch wenn ich nun ein gefährliches, verachtetes Leben führe – und sagen, dass das »John Carter« ist. »John Carter« ist der Star Wars-ähnlichste Film, den ich in den letzten Jahrzehnten gesehen habe. Und das sage ich ganz objektiv als größter Star Wars-Fan auf dieser Webseite. Ist »John Carter« so gut wie (irgendein alter) Star Wars? Nein. So gut wie »Avatar«? Nein. Aber die Antwort liegt irgendwo dazwischen. Wäre ich zum Zeitpunkt der Sichtung 13 Jahre alt gewesen (und nicht 13×2+1), hätte ich den Film ohne jeden Zweifel geliebt. Und immerhin kann ich auch heute noch erkennen, warum.

Daher ist es auch eine Schande, dass Stanton mit dem Unterfangen Disneys neuestes SciFi-Franchise zu erschaffen, – das können wir zwei Wochen nach dem weltweiten Kinostart leider mit Fug und Recht sagen – gescheitert ist4. Auch wenn »John Carter« international um ein Vielfaches erfolgreicher war als in den USA: Die Hoffnung auf ein Sequel, das der Film definitiv in die Wege leitet und an dem Stanton bereits arbeiten soll, stirbt im Angesicht von 200 Millionen Miesen bei Disney augenblicklich. Eine Schande. Ich wäre so gerne nach Barsoom zurückgekehrt.

EMDb – Rating: 4,5/5

  1. “MORE than one studio wants to buy your movie. Then you get to hear two of the most wonderful words you can hear as a writer: Bidding war! Woo-hoo! Two studios (or, super woo-hoo, more than two studios) have to outbid each other for your movie. And that’s superfun. Then who knows—the sky is the limit.” aus Writing Movies for Fun and Profit von Robert Ben Garant and Thomas Lennon. Lese ich gerade, bisher sehr gut. []
  2. also known as Pixar. []
  3. Seriously: Wer jetzt “SPOILER!!!” ruft, hat bisher nichts verstanden. []
  4. Wie zuvor schon sein Kollege Joseph Kosinski mit dem unsäglichen »Tron: Legacy«, wo das Scheitern jedoch vollkommen gerechtfertigt war. []

John Carter-Bücher als eBooks

Ich komme gerade aus »John Carter« und da ich zu meiner Überraschung sehr angetan war (ausführliches Review folgt später), beschloss ich soeben, mir die Vorlage von Edgar Rice Burroughs mal genauer anzusehen. Also wie gewohnt zu Amazon, wo meine Kaufgelüste diesmal jedoch enttäuscht wurden: Eine deutsche Ausgabe des Erstlings wurde zuletzt 1999 aufgelegt und kostet mittlerweile gebraucht 65 Euro – keine Kindle-Version vorhanden (wie ich das hasse). Englische Ausgaben gibt’s zwar, aber nur mit wochenlangen Lieferzeiten. Normalerweise würde ich nun zum englischsprachigen Kindle-eBook greifen, doch das kleine Geld kann man sich diesmal sparen. Denn das Copyright der ersten Texte ist längst abgelaufen (der erste Teil des Barsoom-Zyklus erschien in den USA 1912 als Zeitschriften-Serial), weshalb zumindest die ersten fünf Bücher bereits kostenlos im Netz zu haben sind.

Zum Beispiel über das überaus gute Project Gutenberg. Und weil ich sie mir gerade ja sowieso runtergeladen habe und damit ihr euch – falls aktuell ebenfalls Interesse an John Carter vom Mars besteht – ein paar Klicks sparen könnt, hier direkt die Downloadlinks zu besagten fünf Büchern, jeweils im EPUB- und MOBI-Format. Letzteres benötigt ihr für euren Kindle, EPUB ist für so ziemlich alle anderen Geräte, inkl. iBooks auf eurem iPhone/iPad.

# Titel Formate
1 A Princess of Mars EPUB MOBI
2 The Gods of Mars EPUB MOBI
3 The Warlord of Mars EPUB MOBI
4 Thuvia, Maid of Mars EPUB MOBI
5 The Chessmen of Mars EPUB MOBI

Und jetzt bin ich gespannt, wie sehr sich der Film an die Buchvorlage hält (immerhin umfasst er tatsächlich nur das erste Buch). Aber dazu später mehr.

Kontakt zu Außerirdischen: Gut oder schlecht für die Menschheit?

Blogger- und Twitterkollege @AndiH hat sich in Deutschlands lilastem aller Blogs, dem physikBlog, mit dem semi-wissenschaftlichen Paper dreier US-amerikanischer Autoren auseinander gesetzt, das sich mit der Frage beschäftigt, wie ein Aufeinandertreffen von Menschheit und Außerirdischen ablaufen könnte. Mord, Totschlag und Wissensaustausch sind da nur ein paar der Möglichkeiten. Dass uns aber auch interstellare Viren zur Strecke bringen könnten oder unser außerirdischer Kontakt wegen beidseitigem Desinteresse einschläft, erklärt Andi hier wunderbar.

Fuck Me, Ray Bradbury

Folgendes Musikvideo von und mit Rachel Bloom macht derzeit die internationale Blogosphäre unsicher, was in Anbetracht des Themas auch nicht verwundert: singt sie doch davon, dass sie gerne vom fast 90 jährigen Science-Fiction-Autor Ray Bradbury flachgelegt werden würde. Und wenn das ganze auch noch so perfekt produziert und mit Ohrwurmambitionen daherkommt, kein Wunder, dass alle und ihre Oma mit auf den Zug aufspringen. Den Download gibt’s übrigens hier (für lau, versteht sich).


(YouTube Direktbradbury, via und eigentlich alle anderen)

Update, 23.08.2010: Mittlerweile dürfte so ziemlich jeder Netznutzer Rachel Blooms sexuelle Präferenzen kennen, so dass man auch mal ein Interview mit ihr führen und verlinken kann. Außerdem wird dort folgende Neuigkeit verkündet, die der 23 jährigen Studentin mit Sicherheit gefallen dürfte: “It has been reported [...] that Ray Bradbury has watched the video twice and liked it.” Und das wiederum wurde angeblich sogar fotodokumentiert. Großartige Sache. (via)

District 9-Regisseur Neill Blomkamp über Aliens und die Zukunft der Menschheit


(YouTube Direktvortrag, via Nerdcore & Mister Honk)

Neill Blomkamp, der Mann hinter dem genialen District 9, wurde im November zur TEDx-Konferenz in Vancouver eingeladen, konnte aber leider nicht persönlich anwesend sein, weshalb er obiges Video produziert hat. Darin spricht er über Aliens, die Wahrscheinlichkeit von deren Existenz und nicht weniger als die Zukunft der Menschheit. Sein Fazit: im Moment befinden wir uns wohl in unserer wichtigsten Entwicklungphase und wenn wir’s nicht versauen, werden wir bald zu einer Typ I-Zivilisation nach der Kardaschow-Skala (zur Zeit sind wir eine Typ 0,7-Zivilisation), womit unser Überleben vorerst gesichert sein dürfte. Alles ziemlich abgefahren, hochinteressant und total mind-blowing – sprich: jeder der sich etwas für Science Fiction mit oder ohne Fiction interessiert, sollte sich das unbedingt geben.

Funfact am Rande: Bei dem Kraftwerk, dass ab 11:25 zu sehen ist, dürfte es sich um das Kraftwerk Niederaußem handeln, auf das ich aus meinem Schlafzimmerfenster heraus einen Blick werfen kann.

Review-Rundumschlag #7

Der Januar nähert sich seinem Ende und wie ihr vielleicht bemerkt habt, gab es im nun nicht mehr ganz so neuen Jahr noch kein einziges Film-Review. Weil ich als viel beschäftigter, viel gefragter und auch noch mit anderen Interessen ausgestatteter Mann mal wieder nicht dazu gekommen bin. Daher im folgenden fünf Review-Schnellschüsse, der Vollständigkeit halber (und wie ihr seht, habe ich eine Karte verbummelt; für die Statistik: Surrogates kostete 6,30 im UCI Hürth).

Mitternachtszirkus: Noch so eine Fantasy-Buchreihe, die im Rahmen von Harry und Edward auf die große Leinwand kommt – muss das denn sein? Sicherlich nicht, aber trotzdem lässt es sich im Cirque du Freak gut aushalten. Was vor allem daran liegt, dass man sich hier nicht zu ernst nimmt: John C. Reilly und Willem Dafoe als freakige Vampire, Salma Hayek als bärtiges Orakel und ein fetter Bösewicht mit dem Namen Mr. Tiny – was will man mehr? Schade nur, dass Mitternachtszirkus alles nur anschneidet und daher lediglich wie der Prolog einer Geschichte daherkommt, deren Fortgang wir wegen bescheidenem Einspielergebnis eventuell nie mehr zu sehen bekommen. Ein in sich geschlossener Film hätte da nicht nur von weiser Voraussicht gezeugt, sondern dem Endergebnis auch besser getan. 2,5/5

Haben Sie das von den Morgans gehört?: Diese RomCom ist schnell gepitcht: “Sarah Jessica Parker ist Carrie Bradshaw, die mit Hugh Grant, der seinen Standard-Hugh Grant spielt, in Trennung lebt. Urplötzlich finden die beiden sich im Zeugenschutzprogramm wieder und rütteln sich wieder zusammen. Bäm!” Der Rest ist Standardkost, aber weil mir die Ausgangssituation gefällt und ich Hugh Grant irgendwie mag, gibt’s gute zwei von fünf Punkte auf der ‘Romantic Comedies aus männlicher Sicht’-Skala. 2/5

Avatar (zweite Sichtung): Wie im Review angekündigt, wollte ich mir Camerons “Der mit dem Wolf tanzt” nochmal geben. Schließlich bekommt man ihn aller Voraussicht nach, so bald nicht mehr im Kinoformat-großen 3D zu sehen und außerdem hat er mir gut gefallen. Und was soll ich sagen? Auch beim zweiten Mal war ich begeistert. Storytechnisch wird das Rad hier nicht neu erfunden, das stimmt, aber insgesamt ist das perfektes Kino. Sehr klassisch, aber perfekt, ich bleibe dabei. 5/5

Surrogates: Bruce Willis in einer Utopie, die sich ziemlich schnell als Dystopie herausstellt. Denn im Jahr 2017 verlassen die Menschen ihre eigenen vier Wände nicht mehr selbst, sondern nur noch über ferngesteuerte, menschlich aussehende Roboter, s.g. Surrogates – weil das sicherer ist. Als eine Art Virus aber nicht mehr nur den Surrogate zerstört, sondern auch den vermeintlich sicheren Menschen tötet, gerät diese Stellvertretergesellschaft ins Wanken… Surrogates basiert auf der gleichnamigen Comicserie und hört sich in der Tat sehr vielversprechend und interessant an. Und tatsächlich ist dieser von Blade Runner und I, Robot inspirierte Mix auch recht unterhaltsam, schwächelt dann aber leider aufgrund diverser Logiklöcher und Unstimmigkeiten doch zu sehr. 2/5

Friendship: Äußert sympathischer, klassischer Roadmovie, der den Titel wunderbar bebildert. Denn genau darum geht’s in dieser “fast auf wahren Begebenheiten basierenden” Komödie: Freundschaft, ergänzt um Völkerverständigung und der an hiesigen Kinokassen (und bei der Filmförderung) immer gut kommenden Prise Deutsche Geschichte. Teilweise läuft die USA-Reise der Freunde zwar etwas zu rund und wirkt arg konstruiert, aber dennoch: 110 Minuten gute Unterhaltung, nicht mehr und nicht weniger. 2,5/5

Review: Avatar – Aufbruch nach Pandora

Und dann war da natürlich noch Avatar, der letzte große Film des Jahres und – auch auf die Gefahr hin, mein Fazit bereits vorweg zu nehmen – ich bin sogar gewillt, der größte Film des Jahres zu sagen. Und klar: wenn James Cameron, der selbsternannte “König der Welt”, nach zwölf Jahren Kinoabstinenz endlich wieder über den Abspann läuft, dann darf man schon mal die Superlative auspacken. Doch um ehrlich zu sein: Trotzdem ließ mich die “Vorberichterstattung” zu Avatar für meine (SciFi-Fanboy-)Verhältnisse außergewöhnlich kalt. Irgendwie haben Comic Con-Panels, Trailer und Previews keinen bleibenden Eindruck hinterlassen, so dass ich in Anbetracht des großen Namens zwar gespannt, aber auch ohne jegliche Erwartung das hiesige, mittlerweile auch mit 3D-Klimbim ausgestattete Kino aufsuchte. (Denn dass man unbedingt dreidimensional nach Pandora aufbrechen sollte, ging auch nicht an mir vorbei.)

Meine Haltung zum Film sollte sich bereits in den ersten Minuten schlagartig ändern. Während die Geschichte vom Ureinwohnervolk (hier in Form blauer Katzen-Aliens), das vom bösen weißen Mann aus ihrem Land vertrieben wird, weil der sich das große Geld erhofft, zwar alles andere als neu ist und auch die Heldenreise, die der gehbehinderte Marine Jake (solide gespielt von Sam Worthington) hier durchlebt, normalerweise keinen Cineasten mehr hinter dem Ofen hervor lockt, funktioniert Avatar hervorragend. Das liegt zum einen daran, dass Cameron sein Handwerk versteht wie kaum ein anderer und wahrscheinlich selbst aus einem Wurstwerbespot ein actiongeladenes Epos machen könnte, zum anderen daran, dass der Zuschauer aus dem Staunen nicht mehr raus kommt.

Denn Pandora sieht (in 3D) fantastisch – und ich meine hier wirklich sowas von absolut fantastisch! – aus, das man auf die vergangenen 162 Minuten zurückblickt als hätte man einen Kurztrip dorthin unternommen. In keinem Moment zweifelt man an der Echtheit der Flora und Fauna oder der Na’vi, der Aliens. Und überhaupt: die Aliens! Nie waren realistisch animierte CGI-Figuren so ausdrucksstark und glaubwürdig wie hier. Ja, Avatar ist ein wahres Fest für die Augen (sofern man diese simplen Regeln beachtet) und Ohren (toller Score von James Horner), das man nicht mehr missen möchte.

Und obwohl die Story nicht allzu viel neues bietet, die Dialoge mitunter etwas zu gewollt sind und hier und da Logiklöcher auftreten, wird auch euer Kopf viel Freude auf Pandora haben, denn selten hat man einen so fesselnden, perfekt (wenn auch sehr klassisch) gemachten und absolut epischen Film gesehen wie eben Camerons Avatar. Vielerorts darf man deswegen vom “Star Wars unserer Generationen” lesen, aber ob ich wirklich soweit gehen würde, weiß ich noch nicht. Das wird erst mein zweiter Kinobesuch zeigen und ob ich danach erneut so begeistert bin. Bis dahin ist es nur der beste Science-Fiction-Film des Jahres und ein bis zwei Sequel würde ich herzlich willkommen heißen.

EMDb – Rating: 5/5

District 9 – Review

Einmal mehr besser spät als nie1: Als ich irgendwann im August erfuhr, dass der hoch- und viel gelobte SciFi-Streifen Moon im Rahmen des Fantasy Filmfest gezeigt werden würde, war klar, dass ich dahin musste. Diese selbst auferlegte, aber gern erfüllte Pflicht verstärkte sich dann wenige Tage später immens, als klar wurde, dass nicht nur Duncan Jones’ Debüt, sondern auch das von Neill Blomkamp, namentlich District 9, es ins Programm schaffte – und das nur knapp zwei Wochen nach US-Start. Respekt! Ehrensache, dass ich am ersten Verkaufstag die Kasse des Kölner Cinedoms stürmte, um auf Nummer Sicher zu gehen und Tickets für besagte Filme zu erstehen. Gesagt, getan, standen die Freundin und ich also am dritten Festivaltag vor dem größten Kinosaal des Cinedoms, in den District 9 eigens verlegt wurde und der dennoch ausverkauft war.2

Einige fremdsprachige, blutige und sehenswerte Trailer später durften wir dann miterleben, wie es aussieht, wenn ein kleines Stückchen Genre-Geschichte geschrieben wird. Dabei beginnt alles ganz ruhig: 1982 tritt ein außerirdisches Raumschiff in die Erdatmosphäre ein, stoppt über der südafrikanischen Metropole Johannesburg und verharrt dort. Nach Wochen des ereignislosen Wartens entschließen sich die Menschen in den unbekannten Flugkörper einzudringen, wo sie über eine Million insektoide Außerirdische vorfinden – halb verhungert und ohne irgendeinen Anführer. Die Außerirdischen werden aus dem Flugkörper in ein zunächst provisorisch errichtetes Flüchtlingslager namens District 9 gebracht, welches sich jedoch rasch zu einem Slum entwickelt. Jahrzehnte vergehen und die Bevölkerung Johannesburgs fühlt sich zusehends unwohler mit den abfällig als “prawns” (Garnelen) bezeichneten Nachbarn aus District 9. Das private Sicherheits- und Militärunternehmen Multinational United (MNU), das mittlerweile über die nun 1,8 Millionen Aliens wacht, sieht sich gezwungen, die Umsiedlung dieser in das weiter entfernte und angeblich sehr viel humanere Lager District 10 zu veranlassen. Als der niedere MNU-Beamte Wikus van de Merwe sich der Aufgabe annimmt, passiert jedoch das Unvorhersehbare: <spoiler>nachdem er im Alien-Lager einer außerirdischen Flüssigkeit ausgesetzt wurde, beginnt er, sich selbst in einen der “prawns” zu verwandeln und erfährt am eignen Leib, dass es der MNU tatsächlich nicht um das Wohl der Aliens, sondern vielmehr um deren hoch-effizientes, aber für Menschen bisher nicht benutzbares Waffenarsenal geht…</spoiler>

Dabei macht besagter MNU-Mann Wikus nicht nur eine physische, sondern auch eine psychische Wandlung durch: vom unbeholfenen Bürokraten, der nur die eigene kleine Karriere im Blick hat, zum Gejagten und Rächer zwischen den Fronten. Dass diese Verwandlung so greifbar und glaubwürdig ist, ist zum einen der mit Sharlto Copley hervorragenden Besetzung, zum anderen dem Stil des Films selbst zu verdanken. Denn wie aus den Trailern und der Kurzfilmvorlage Alive in Joburg bekannt, beginnt District 9 als Dokumentarfilm und nimmt erst nach Wikus’ Unfall dessen Position und damit typischere Erzählweisen ein – hierbei dennoch immer wieder durch vermeintliche O-Töne unterbrochen. Eine solche Vorgehensweise und viele weitere, auch und vor allem narrative Elemente des Films sind zwar alles andere als neu3, in dieser Kombination jedoch ungesehen. Beispielsweise kennen wir Xenophobie gegenüber Außerirdischen von Kindesbeinen an (E.T. anyone?), hier wird sie aber erstmals wirklich aussagekräftig: denn so selbstverständlich und glaubwürdig wie Blomkamp sein Szenario auf die Apartheid Südafrikas transferiert, zeigt er doch selbst dem unbedarftesten Zuschauer unausweichlich diesen Schandfleck menschlicher “Zivilisation” auf. Und schließlich ist es genau dieser Moment, den die Science Fiction zu leisten vermag und der leider allzu gerne zwischen all den Special Effects und Bunnies vergessen4 oder übersehen wird.

Nichtsdestotrotz ist natürlich auch District 9 ein spektakulärer Actionknaller, der – zumindest im letzten Drittel – Explosionen und Splatter en masse bietet und dessen vorderstes Ziel die Unterhaltung des Publikums ist. Dass er dabei nebenbei neue Standards in Sachen SciFi-Action setzt und für das Minibudget von 30 Millionen Dollar nahezu fantastisch aussieht, ist umso beeindruckender.5 Ganz klar: wir haben hier mit Neill Blomkamp und Sharlto Copley zwei fortan äußerst gefragte Männer vor uns, von denen wir noch sehr viel hören und sehen werden.

Kurzum: District 9 ist genau der Science-Fiction-Film (mit Action-Anspruch), den ich mir jedes Mal wünsche, wenn das Licht im Kinosaal ausgeht – und den ich vor District 9 bisher nur ein einziges Mal bekommen habe: 1999 mit The Matrix.

EMDb – Rating: 5/5

  1. Ich bin es zwar leid, jedes Review mit einer Entschuldigung zu beginnen, aber was soll ich tun? Zur Zeit bin ich nun mal voll ausgelastet, da bleibt mir nur der Urlaub um was ordentliches zu schreiben. In diesem Sinne: erneut fettes Sorry, für die überaus späte Veröffentlichung dieses Reviews. []
  2. Manch einer muste sogar mit einem Platz auf der Treppe vorliebnehmen… []
  3. Man denke nur an Cronenbergs Fliege oder die TV-Serie Alien Nation. []
  4. Ja, Mr. Bay, Sie sind gemeint. []
  5. Und wo wir gerade bei Ihnen, Mr. Bay, sind, gerade Blomkamps Minibudget lässt Sie mit Ihren quasi unbegrenzten Mitteln wie einen Dilettanten aussehen. []
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