Wie gesagt: die Folge “Sylvesterpunch” von Ein Herz und eine Seele – oder kurz: Ekel Alfred -, die erstmals am Silvesterabend 1973 ausgestrahlt wurde, ist mein persönliches Dinner for One. Aber nicht nur meins, weshalb der WDR uns auch in diesem Jahr nicht enttäuscht und die Tetzlaffs heute pünktlich um 18:05 in unsere Wohnzimmer bringt. Wer’s nicht kennt, sollte unbedingt reinschalten – jeder der’s kennt, tut das sowieso. Als kleiner Vorgeschmack ein Ausschnitt aus der besagten, legendären Folge:
“Hey Stefan, kommst du heute Abend mit ins Kino und danach einen trinken?” Mit diesen Worten und vor allem dem letzten Satzteil lockten mich meine Freunde in der vergangenen Woche ins Kino. Und dann, gut, in ne Bar. Seit dieser Woche bin ich Nachts schweißgebadet aufgeschreckt und habe selbst im Tiefschlaf geschrien und gewimmert. Der Grund für meinen schlechten Schlaf war das, was mir im Kino vorgesetzt wurde – namentlich 1 1/2 Ritter und wahrhaftig der größte Mist, für den ich jemals Geld bezahlt habe. Und glaubt mir, ich habe für sehr viel großen Mist sehr viel Geld bezahlt…
Auf die schwachsinnige, tot langweilige Story möchte ich an dieser Stelle gar nicht eingehen. Ein Bild sagt da mehr als tausend Worte. 1 1/2 Ritter funktioniert von vorne bis hinten nicht, die Gastauftritte sind zutiefst peinlich und lediglich Rick Kavanian weiß ab und an zu überzeugen. Zumindest für die Verhältnisse dieses Films. Dass 99,9% der Witze platteste Rohrkrepierer sind, rundet das eh schon negative Gesamtbild gekonnt nach unten ab.
Es ist mir wirklich ein Rätsel wie Til Schweiger, dessen schauspielerisches Potential zwar offensichtlich sehr beschränkt ist, der aber mit seinen letzten, überraschend passablen Eigenproduktionen Barfuss und Keinohrhasen Erfolge einfuhr, einen derartigen Dreck produzieren konnte und es sich tatsächlich wagt, Menschen in Zeiten von Finanzkrise und Hungerlohn dafür an die Kinokassen zu bitten. Meines Erachtens ist “1 1/2 Ritter – Auf der Suche nach der hinreißenden Herzelinde”, wie das ganze Elend mit vollem Titel heißt, eine Beleidigung für den Zuschauer. Ganz davon zu schweigen, dass zumindest ich es mehr als bedenklich finde, dass Herr Schweiger seine sexistischen Testosteron-Trips, die meistens willenlose, einfältige Frauen beheimaten, tatsächlich seinen Kindern widmet. Ich würde mich schämen. Aber Scham dominiert hier eh das Rezeptionserlebnis. Und Aggression. Darüber, dass es sowas ins Kino schafft.
(Dabei kann er’s doch eigentlich besser, der Til.)
Mit Der Baader Meinhof Komplex, der Verfilmung von Stefan Austs gleichnamigem Sach(!)buch, steht uns dieser Tage eine weitere filmische Aufarbeitung Deutscher Geschichte ins Haus. Von vorneherein möchte ich auf die Absurdität dieser Verfilmung aufmerksam machen: Stefan Austs Baader Meinhof Komplex umfasst in seiner Standard-Ausgabe satte 672 Seiten. In der aktualisierten, doppelt so teuren Deluxe-Edition sind es sogar 896 Seiten. Man muss kein Filmkenner sein – nein, nicht einmal einen Film gesehen haben -, um zu erkennen, dass es in keinem Fall möglich ist, dieses gigantische Gros an mehr oder minder aufwendig recherchierten Fakten, dieses Jahrzehnt Deutscher Geschichte, auf einen 150-Minuten-Film herunterzubrechen. Das geht nicht.
Und wenn man es doch versucht, dann sieht das so aus: In 150 Minuten prasseln derart viele Eindrücke, “Aktionen”, Gesichter auf einen ein, dass einem Hören und Sehen vergeht. Sofern man kein spezialisierter Geschichtsstudent, sondern nur mit den Geschehnissen rund um RAF und Deutschen Herbst vertraut ist, wird man sanft, aber bestimmt erschlagen. Wenn man keine Ahnung hat und der Handlung des Spielfilms (was Der Baader Meinhof Komplex am Ende des Tages ja immer noch ist) einfach nur folgen möchte, hat man keinerlei Chance. Zu viele Figuren, zu viel Handlung, zu viel von allem.
Es ist überspitzt gesagt so, als wolle man alle Greueltaten der Nazis in einem Kurzfilm unterbringen. Und dazu auch noch Popcorn verkaufen. Das Herausgreifen einer bestimmten Person oder eines bestimmten Ereignisses, wie, um bei dem Vergleich zu bleiben, es etwa bei Der Untergang geschehen ist, wäre hier ratsam gewesen, wenngleich es natürlich dem Anspruch, den gesamten “Komplex” abzubilden, nicht gerecht geworden wäre. So werden Personen, Ereignisse und Motive hier leider nur skizziert – und der “Mythos RAF” durch freie Liebe und stimmige Actionszenen oftmals befeuert.
Finale! Und weil’s die letzten Male immer “so gut” geklappt habt, verändere ich abergläubiger Kerl nichts: Ich tippe 3:1 für Deutschland, ein Tor von Schweinsteiger. Gesetzt sind sämtliche Ersparnisse, klar. Und keine Angst, denn wie sagte schon der Engländer Gary Lineker einst richtig: “Fußball ist ein einfaches Spiel: 22 Männer jagen 90 Minuten lang einem Ball nach, und am Ende gewinnen immer die Deutschen.”
Beflügelt vom Sieg über Portugal habe ich das verzockte Ersparte von Österreich vergessen und habe mich wieder voll ins Wett-Business eingekauft: Deutschland siegt 3:1, ein Tor geschossen von Schweinsteiger. Zudem glaube ich, dass ich die Wett-Webseite überlistet habe und morgen sowieso ein reicher Mann bin. — Falls das doch nicht klappen sollte, freue ich mich aber auch generell über den Einzug ins Finale – wie auch immer unsere Ölfreunde (frei nach dem Motto “Ölfreunde sollt ihr sein!”) das anstellen werden. Ich bin mir jedenfalls sicher: Deutschland kommt weiter. Und wenn nicht, mach ich den Laden hier morgen dicht.
Ergebnis-Update: 3:2 für Schlaaand! Tore von Schweinsteiger (!), Klose und Lahm.
Morgen Abend zeigt sich, ob unsere Elf vielleicht doch noch über sich wächst und Christiano Ronaldo & Freunde an die Wand spielt. Außerdem wird sich zeigen, ob das Schweizer Fernsehen die deutsche Nationalhymne diesmal richtig untertiteln kann. Im Spiel gegen die Österreicher hat man unseren Singsang nämlich anstatt mit “Einigkeit und Recht und Freiheit” mit “Deutschland, Deutschland über alles” versehen. (Quelle: Focus Online, via).
Kann natürlich mal passieren, wenn man zwei junge Sportredakteurinnen (lies: Tippsen), zu deren Stärken “Politik und Geschichte” nicht zählen, damit beauftragt, den Text ausm Internet zu kopieren. Wer ahnt auch, dass die doofen Deutschen nur die dritte Strophe singen? Na ja, vielleicht bekommen wir morgen Abend die zweite, die kennt nämlich keiner.
Ich habe jedenfalls aus unserem knappen Sieg gegen die glorreichen Österreicher gelernt und – Spielsucht hin oder her – nur auf Sieg der DFB-Auswahl gesetzt. (Wundert ja auch nicht, ich habe ja schließlich meine sämtlichen Ersparnisse im Wert von 1,50 Euro verwettet.) Da ich den Schönling aber schon bei der WM begutachten konnte, weiß ich, dass wir das packen. Ganz bestimmt. Bestimmt. Die Hoffnung stirbt zuletzt.
Ach ja, und weil man in Blogs ja so seine subjektive Meinung kundtun tut: Dass Bundestrainer Jogi Löw (48, auch seine Frau nennt ihn Jogi) während des Spiels auf der Tribüne verweilen muss, finde ich mehr als lächerlich, ihr UEFA-Fritzls UEFA-Fritzen.
Ergebnis-Update: 3:2 für Deutschland durch Schweinsteiger, Klose, Ballack.
Ich bin wieder der Spielsucht verfallen und habe sämtliche Ersparnisse auf folgenden Spielverlauf gesetzt: Endergebnis 0:2, geschossen von Podolski und Klose. Eure Tipps? (Wer richtig tippt, gewinnt Netzer & Delling. Nur solange der Vorrat reicht.)
Ergebnis-Update: 1:0 für Deutschland durch Ballack.
Lasst die Finger von der Volksbank! Da dürft ihr nicht mal drin randalieren oder mit bekackten Schuhen durchlaufen, ohne dass die euch per Videoüberwachung identifizieren und euch euer Fehlverhalten (und das eurer Kinder! Und Kindeskinder!) in Rechnung stellen. (via)
Hab ich eigentlich schon erwähnt, dass ich Banken fast genauso verabscheue, wie unsere allgegenwärtige Überwachung, Softwarepatente und Gurken?