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Neon – Eine Abrechnung

Neulich habe ich alle Neon-Ausgaben, die ich hier finden konnte, in die Papiertonne verbannt. Der Grund dafür war nicht etwa, dass ich mehr Platz schaffen wollte und mich deshalb der alten Hefte entledigte, nein, es war eine symbolische Geste. Ein Schlussstrich für ein Gefühl, dass mich die letzten Monate zusehends beim Kauf der Zeitschrift begleitete: Der begnadete Funny van Dannen musste offensichtlich einen Blick in eine oder mehrere Neon-Ausgaben geworfen haben, bevor er sein Lied Herzscheiße niederschrieb. Anders kann ich mir das Zustandekommen von diesem für Neon maßgeschneiderten Neologismus nicht mehr erklären…


Doch wie konnte es soweit kommen? Seit Februar 2004 erscheint das “junge Magazin vom Stern” monatlich und nachdem ich es im Sommer 2004 entdeckte, war ich monatlich Feuer und Flamme. Bot Neon doch mit seinen lesenswerten und für die Zielgruppe sehr viel relevanteren Artikeln einen willkommenen Gegenentwurf zur etablierten Presse. Neben interessanten Reportagen und Interviews gab es natürlich seit Bestehen Artikel über Liebe, Freundschaft, Job und Ausbildung, die von mir getrost überlesen wurden. Soweit so gut.

Wenn jedoch, wie seit langem der Trend, der lesenswerte Teil des Magazins schwindet, dann bleibt nicht mehr als ein verhüllter Doktor Sommer für unselbstständige Mittzwanziger. Das ist so toll am Single-Dasein! Und darum sind Paare trotzdem glücklicher! Und wie du nach dem Praktikum ein Job-Angebot bekommst, steht auf Seite 102!

Ernsthaft: im Neon stehen Dinge, um deren Inkarnation in Buchform ich in der Buchhandlung einen weiten, weiten Bogen mache! Ein paar Beispiele der letzten Ausgaben gefällig? Nein? Keine Wahl, hier entsprechende Titel aus fünf zufällig gewählten Heften:

· Hast du ein Geheimnis? Na hoffentlich! Warum zu viel Ehrlichkeit der Beziehung schadet
· Vorsicht Schlangengrube! Gerüchte im Job – und wie man sich vor ihnen schützt
· Du willst es doch auch! 26 tröstliche Tipps für alle, die mit ihrem Sexleben unzufrieden sind
· Schlagfertig im Job. Wir wissen heute schon, was du deinem Chef antworten solltest
· Gelegenheit macht Liebe. »Never fuck the office« – Finger weg von den Kollegen

Das anmaßende Elend könnte 51 weitere Ausgaben fortgesetzt werden. Dazwischen dann Artikel, in denen jemand über Armut und Mafia in Süditalien berichtet, im Selbstversuch ein Hitler-Bärtchen testet oder eine Vorstellung der 55 besten Blogs, die jeder, der seinen Browser bedienen kann, schon kennt. Das machen andere zugespitzter, konsequenter und unterhaltsamer. Und im direkten Vergleich mit der Konkurrenz (neuerdings etwa u_mag) dürfte es sogar dem Praktikanten, dessen Supermodelfreundin ihn nicht anturnt, weil er doch eigentlich auf seinen Chef steht und deshalb bei Dr. Neon Rat sucht, wie Schuppen von den Augen fallen: das ehemals ambitionierte junge Magazin ist denen, denen es als Gegenentwurf für eine jüngere Klientel gegenüber stehen sollte, näher als es ihm gut tut. Zwar liebäugelt man mit der freien Liebe, tatsächlich aber ist man großer Verfechter der Ehe.

Und Reportagen über Armut und Mafia in Süditalien sind in den Sterns und Spiegels dieser Welt eh besser und besser aufgehoben.

Du weißt, dass du nichts weißt

Wie jeder halbwegs vernünftige Filmfreund habe auch ich mich in die Filme von Ethan und Joel Coen verguckt. Kaum jemand anders weiß sich derart auf dem Parkett von Komödie & Tragödie zu bewegen. Und mit Burn After Reading tun sie natürlich erneut genau dies. Klar, es ist wieder einer der “lustigeren” Filme der Coens, aber wer mit ihrem Gesamtwerk vertraut ist, weiß, dass das Komische eben wieder aus der individuellen und interdependenten Tragik der Figuren herrührt. In Burn After Reading heißt das, dass die Figuren zwar ein (vergleichsweise lächerliches) Ziel verfolgen, aber im Grunde gar keine Ahnung haben, was sie da eigentlich tun…

Der Film zoomt zu Beginn aus Sicht eines Spionage-Satelliten ins Geschehen. In den folgenden 96 Minuten lernen wir in aller, aller Ruhe die Protagonisten kennen. Den wegen Alkoholsucht entlassenen CIA-Agenten Osbourne Cox (John Malkovich), seine biedere Ehefrau Katie (Tilda Swinton), ihre Affäre, den notorischen Fremdgänger Harry Pfarrer (George Clooney) und die beiden Fitness-Club-Mitarbeiter Chad (Brad Pitt) und Linda (Frances McDormand). Cox plant, nachdem er von der CIA entlassen wurde, seine Memoiren zu verfassen. Diese pseudo-brisanten Dokumente fallen jedoch ins Chads und Lindas Hände, die bei dem “großen Scheiß” ihre Chance auf ein bisschen Geld wittern. Nach dem erfolglosen Erspressungsversuch gegen Cox wenden sie sich an die russische Botschaft. Doch irgendwie läuft alles aus dem Ruder und selbst die CIA-Oberen haben keine Ahnung, was da eigentlich warum geschieht.

Während in früheren Coen-Werken immer das spontane, impulsive Versagen einzelner Figuren im Vordergrund stand, so scheint es, als habe man es in Burn After Reading nur mit vollkommenen Vollidioten zu tun. Opfer und Täter sind gleichermaßen diffus. Zumindest aber sind es hauptsächlich Menschen, die nichts wirklich böses im Schilde führen und sich urplötzlich in einem für sie nicht greifbaren System von Überwachung, Kontrolle und Paranoia befinden. Derweil ist dieses Überwachungssystem, dieser Überwachungsstaat, selbst nicht in der Lage die Geschehnisse zu begreifen oder auf sie zu entsprechend zu reagieren. Stattdessen agiert das System irgendwie – und so kommt es zu einem des besten Epiloge, die man in letzter Zeit im Film zu sehen bekommen hat.

Die einfache Botschaft dahinter: die Überwachung der kompletten Bevölkerung führt das Prinzip Überwachung ad absurdum. Klar, dass ganze scheint kein Meisterwerk á la No Country for Old Men zu sein, gehört aber trotzdem zum besten, was man dieser Tage und dieses Jahr im Mainstream-Kino zu sehen bekommt. Apropos Mainstream: Während die männliche Hälfte von Brangolina auf den ersten Blick ein Zugeständnis gen Massenpublikum und Teenie-Girls zu sein scheint, so offenbart sich während Burn After Reading doch das wahrlich großartige und unterhaltsame komödiantische Talent eines Brad Pitt, von dem ich mir alsbald mehr (im Coen-Kosmos) wünsche.

EMDb – Rating: 4,5/5

Krieg der Schlümpfe


Der brasilianische Illustrator Marcelo Braga hat in seinem Blog ein geniales Konzept für ein Schlümpfe-Comic der etwas anderen Art veröffentlicht. In seinen “Smurfs Wars” haben die Schlümpfe Gargamel und seine Kater Azraël getötet und leben somit in Frieden. Bis zu dem Tag, an dem Papa Schlumpf stirbt und Hefti zum neuen Anführer der Schlümpfe wird. Schlaubi Schlumpf beneidet Hefti um seinen Posten und seine Beziehung zu Schlumpfine. Also gründet er einen eigenen Schlumpf-Stamm der fortan Krieg gegen Heftis Schlümpfe führt.

Wer an dieser Story und vor allen Dingen den dazugehörigen Illustrationen gefallen findet, kann nur hoffen, dass die Rechteinhaber sich rgendwann auch dafür begeistern lassen, was aber zu 99.9% niemals geschehen wird. Was sehr schade ist, ihr Trottel. (via)

Clash of the Mythologies


Nach dem Nazi-Dinosaurier Tyrannosaurus Reich und den Übermensch Chuck Norris erweitern wir unsere lose Reihe von bizarren Comics heute um den Kampf der Kämpfe: Gottessohn Jesus gegen Göttervater Zeus! Monotheismus gegen Polytheismus! Fight! Denn genau darum geht’s in “The Godyssee” von Rob Liefeld (übrigens: if you type “Rob Liefeld” into Google, it suggets “Rob Liefeld sucks”). Zeus provoziert Jesus, worauf dieser vor Kreuz steigt und ordentlich Stress anfängt. Ein paar Seiten Blasphemie kann man sich hier ansehen. (via)

Raubkopierer lesen Comics

Heute mal wieder ein wunderbares Beispiel für gut gemachte Lobbyarbeit:

Unsere Lieblingsorganisation aus den US and A, die RIAA, mit der wir hierzulande Gott sei dank herzlich wenig zu tun haben, hat wieder zugeschlagen. Diesmal wurde das National Center for State Courts unterwandert. Die haben neuerdings nämlich eine Reihe von Comics im Programm, die US-Schülern das Rechtssystem nahe bringen soll.


Die erste Ausgabe behandelt demnach konsequenterweise das, was die Vereinigten Staaten seit Jahrzehnten, ach Jahrhunderten ausmacht: die knallharte Verfolgung und Verurteilung von bösen, wirtschaftsverachtenden Musikpiraten! Am Beispiel der Studentin Megan lernen wir: wer ein mal illegal runterlädt, der verliert nicht nur unmittelbar sein Stipendium, sondern wandert auf direktem Wege ins Gefängnis. Bääm!, das sitzt.

Wer sich selbst davon berieseln lassen möchte, kann sich bei Wired weitere Panels ansehen und das komplette Propaganda-Heftchen hier als PDF runterladen. Free Megan! (via)

iPhone in Polen


-> Orange bezahlt Schauspieler für das iPhone 3G-Schlangestehen

Classic Sonic in High Definition

Bekanntlich halte ich alter Sega-Oldschool-Fanboy den Mega-Drive-Titel Sonic 2 für eines der besten Videospiele aller Zeiten. Und dank Virtual Console & Konsorten kommen auch die Kids von heute in den Genuss des Bestsellers von 1992. Doch einigen Sonic-Fans reicht das nicht: inspiriert durch folgenden Wallpaper von Alchemist Defined haben sie den Entschluss gefasst, Sonic 2 in High Definition zu konvertieren, damit dem hervorragenden Gameplay endlich auch ein zeitgemäßes Äußeres voransteht.


Hinter dem S2HD-Projekt stehen einige Szenegrößen aus der Retro Sonic-Community, wo es in einem entsprechenden Thread auch mehr (technische) Infos gibt. So wurde zum Beispiel der Soundtrack komplett neu aufgelegt und kann hier bereits herruntergeladen werden.

Obwohl die Konvertierung der alten Sprites in neue Vektoren eine Mordsarbeit ist (siehe nächstes Bild), die von Hand gemacht werden muss, soll bereits am 15. September eine erste Tech-Demo veröffentlicht werden. Man darf also vorfreudig gespannt sein.


Weitere vektorisierte Bilder gibt’s hier beim SavyGamer.

Und als wäre das alles nicht schon genug Grund zur Freude hat sich DeviantArtist Orioto von der S2HD-Idee beflügeln lassen und folgenden (Pseudo-)In-Game-Screenshot gebastelt, der meiner Meinung nach genau das symbolisiert was Sega mit Sonic im Jahre 2008 2009 anfangen sollte: Ganz nach dem Motto “never change a winning gameplay” sollten sie der alten Sonic-Erfahrungen nur einen neuen Anstrich verpassen. Und wenn das dann so aussehen würde, wären wir alle überglücklich, nicht wahr?


Und wenn sie schon dabei sind, sollten sie die Jungs vom S2HD-Projekt anheuern, nett Danke sagen und Sonic 2 HD über die Distributionsplattformen unser aller Konsolen vertreiben – alles andere wäre töricht, blöde und unverständlich. Also: it’s your turn, Sega! (u.a. via)

Worst Star Wars ever!

Zuallererst und unschwer erkennbar: ich liebe Star Wars – so wie ein Junge ein paar Filme lieben kann. Ich mag sogar die neue Trilogie wenngleich meine große Liebe immer noch die klassische ist. Ja, ich habe unterdurchschnittliche Spiele gespielt, sehr öde Comics gelesen und sogar die 2003er Klonkriege in meinem Besitz überführt. Und wenn irgendwo ein Lichtschwert auftaucht, bin ich Feuer und Flamme. Weil: Star Wars. Nicht weiter verwunderlich also, dass ich mir eben auch Star Wars: The Clone Wars blauäugig in der Vorpremiere gegeben habe.

Doch der Bogen ist überspannt: The Clone Wars ist ein unsägliches Stück Scheiße von einem Film. Damit daran kein Zweifel bleibt, lässt der Film nichts unversucht. Bereits zu Beginn wird uns ein Clone Wars-Logo um die Augen gehauen, wir hören das verzerrte Main Theme und ein Off-Erzähler (!) erklärt uns im Schnelldurchlauf den Stand der Dinge. Die nächsten 98 Minuten bekommen wir (erneut) fiese Computeranimation auf dem Niveau eines miesen 90er-Jahre-Technovideos, zutiefst platte Witze, einen nervigen neuen Padawan und Dialoge präsentiert, für die der Autor in der Hölle schmoren wird. Als wäre das alles nicht schon schlimm genug, versaut man schließlich noch das, was den Krieg der Sterne so unverwechselbar machte: die Musik. Statt auf das füllige Repertoire an grandiosen Melodien zurückzugreifen, verwendet man unpassende Orient- und Rockklänge. Zur belanglosen “Count Doku tut so als hätten die Jedis Jabbas Sohn entführt”-Pseude-Story möchte ich gar nichts sagen, da ich daran schon 98 Minuten meines Lebens verschwendet habe.

Nein, Freunde, das hat nichts mehr mit Star Wars zu tun… Traurig, aber wahr.

EMDb – Rating: 0,5/5

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