Versetzen wir uns einige Jahre zurück. Am besten eine Hand voll. Napster fand dieser Tage viele Freunde, und diese versuchten voller Vorfreude mit ihrem langsamen 56K- Modem verschiedene Lieder auf den heimischen Computer zu saugen. Keine Rede von Illegalität in einer Zeit in der sogar Musiker die Vorzüge von Filesharing anpreisten. Daher kam es zu einer neuen Internet-Goldgräberstimmung. Jeder wollte alles
haben. Sammeln wir doch alle zigtausend MP3s auf unserer Festplatte. Warum auch nicht. Nur müssen die Raritäten und Perlen zuerst gefunden werden.
So kam es, dass man des öfteren auf einen Interpreten namens Weird Al stieß, ihn jedoch gekonnt links liegen ließ. Britney, Nirvana, Madonna. Alle Suchanfragen lieferten ein gemeinsames Ergebnis 'Weird Al'. Umso mehr ein Grund sich heute nocheinmal mit dieser Thematik zu beschäftigen und euch einen vom Pferd zu erzählen. Genaugenommen vom Pferd 'Weird Al', das eigentlich kein Pferd ist, sondern ein Sänger. Aber wie hat das alles eigentlich angefangen...?
Es fing an, als Alfred Matthew Yankovic am 23. Oktober 1959 in Lynwood, Kalifornien das Licht der Welt erblickte. Schon früh entdeckte er seine Liebe zur Musik und zu seinem Akkordeon. Eines seiner Vorbilder war Frank Yankovic, ein berühmter Polka- Musiker, der zwar zufällig den selben Namen trägt, jedoch mit Alfred in keinster Weise verwandt ist. Sein anderes großes Vorbild war ein gewisser Allan Sherman, der in der Radioshow 'Dr. Demento' sein Unwesen trieb, indem er alles und jeden parodierte. Schon bald wusste Alfred, dass auch er eine gehörige Portion Humor sein Eigen nennen darf und das Zeug zum Parodieren hat. Dann kam sein großer Tag: Dr. Demento himself trat in Alfreds Highschool auf und er ließ es sich nicht nehmen, ihm ein selbstaufgenommenens Tape mitzugeben. Sage und schreibe 3 Jahre später entdeckte Dr. Demente, bei dem der Name anscheinend Programm ist, das Tape und spielte es on air. Der Erfolg war - man kann es ahnen, da es diesen Artikel sonst wohl nicht geben würde - vorprogrammiert.
Die Jahre zwischen seinem ersten Erfolg und seiner ersten Platte verbrachte Alfred als Architekturstudent und Campus-Radiomoderator. Hier gab er sich auch erstmals den Namen 'Weird Al', den er bis Heute beibehalten hat. Seine erste Veröffentlichung 'My Bologna', ein Cover von 'My Sharona' von The Knack, erscheint 1979. Zu Verdanken hat
er dies den Originalinterpreten von The Knack selbst, die ihre Plattenfirma gerade dazu nötigten, Als Lied als Spaßversion zu veröffentlichen.
Es Folgen unzählige weitere Cover. Darunter 'Fat' als Parodie von Michael Jacksons 'Bad' oder 'Another One Rides The Bus' statt Queens 'Another One Bites The Dust'. Aus 'Beat it' wird 'Eat it' und so weiter. Halt alles, was die englische Sprache so her gibt. 1999 dann ein weiterer Erfolg: The Saga begins
erzählt musi- kalisch den Werdegang von Anakin Skywalker zu Sith-Lord Darth Vader. Im dazugehöri- gen Video läuft Al als junger Obi-Wan zur Melodie von 'American Pie' durch die Wüste. Die CD bringt, wie all seine anderen Alben auch, Platin und Gold (jenachdem ob man es in Kanada oder Amerika gekauft hat, wo sich nämlich manches Album anders ver- kauft als beim jeweiligen Feind). Weitere Meilensteine in Weird Al Yankovics Karriere: Ein preisgekrönter Auftritt bei den Simpsons. Homer hat sich gefreut.
Übrigens holt Weird Al für all seine Verarschungen die Erlaubnis der 'echten' Künstler ein. Und das obwohl dies für eine Parodie laut US-Gesetz nicht notwendig sei. Er wolle halt keinen Streit, offenbart er in Interviews. Und bis jetzt haben sie ihm alle die Erlaubnis erteilt. Bis auf einen: Eminem. Der Skandal-Rapper, der selbst zeitweise zum Spaß-Rapper mutiert, hat anscheinend keinen Sinn für Humor, wenn es um seine eigenen Machwerke geht. Keine Gummipunkte für den Herrn Mathers.
Und was ist mit dem, worum's hier eigentlich gehen sollte? Die Musik von Weird Al? Ja, die ist erwartungsgemäß gut und vor allem lustig. Okay, die Polka-Elemente sagen vielleicht nicht jedermann zu, aber dafür sind seine Lieder auf jeden Fall bizarr. Vor allem, wenn man die Texte beachtet. Punkt. Wer jetzt noch mehr will, klickt hier
für einen Besuch auf Weird Als offizieller Webseite.
- Eay // 6.6.2004










